600519_449585458473598_1381963780_n

Can the – what – speak?

Can the – wHaT – speak?

Unsere neuen bun­ten schwarzweiss-Taschen kom­men gut an: „can the sub­al­tern speak – yes, no, maybe?” nimmt scherz­haf­ten Bezug auf den Titel eines Tex­tes der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Gaya­tri Cha­kra­vorty Spi­vak. Doch worum geht es dabei eigentlich?

Spi­vak (*1942, Kal­kutta), die an der Colum­bia Uni­ver­sity in New York lehrte, gilt als eine Mit­be­grün­de­rin der soge­nann­ten Sub­al­tern Stu­dies. Ziel die­ser von süd­asia­ti­schen Wissenschaftler_innen in den 1980er Jah­ren begrün­de­ten Schule ist eine Geschichts­schrei­bung, in der nicht Eli­ten – männ­lich, west­lich gebil­det, poli­tisch ein­fluss­reich – im Vor­der­grund ste­hen. Statt­des­sen soll die breite Masse der Bevöl­ke­rung die Aus­gangs­ba­sis einer „Geschichte von unten“ bil­den. Vor allem die inner­halb von (kolo­nia­len) Herr­schafts­sys­te­men rand­stän­di­gen und aus­ge­grenz­ten Per­so­nen und Grup­pen wer­den ins Zen­trum gerückt, deren Geschich­ten bis­lang nicht gehört und aus­ge­blen­det wur­den. So wer­den etwa indi­sche Frauen, länd­li­che Bevöl­ke­run­gen oder reli­giöse Min­der­hei­ten sowie deren Hand­lungs­spiel­räume und Wider­stän­dig­kei­ten inner­halb der bri­ti­schen Kolo­ni­al­herr­schaft zu inter­es­san­ten The­men. Die klas­si­sche Erzäh­lung, dass die bri­tisch gebil­dete indi­sche Elite die Unab­hän­gig­keit Indi­ens von oben gelenkt her­bei­ge­führt und den neuen Natio­nal­staat begrün­det hat, wird damit in Frage gestellt. Auch über den indi­schen Kon­text hin­aus wur­den und wer­den die Sub­al­tern Stu­dies adap­tiert in dem Ver­such, mar­gi­na­li­sierte Per­so­nen in Situa­tio­nen zu beschrei­ben, in denen sie nicht ihre eige­nen Her­ren sind. Wissenschaftler_innen ver­su­chen damit, ihnen eine Stimme zu ver­lei­hen, sie also zu reprä­sen­tie­ren. Hierin liegt zugleich ein zen­tra­ler Kri­tik­punkt an der Subaltern-Schule, den ihre Mit­glie­der selbst sahen: Letzt­lich sind auch sie als Akademiker_innen Teil einer westlich-wissenschaftlich gebil­de­ten Elite. Das Sub­al­terne unter­liegt ihrer Erklä­rungs­macht, wäh­rend es selbst stumm bleibt und bespro­chen wird.

For the ’true’ sub­al­tern group, whose iden­tity is its dif­fe­rence, there is no unre­p­re­sen­ta­ble sub­al­tern sub­ject that can know and speak its­elf; the intellectual’s solu­tion is not to abs­tain from rep­re­sen­ta­tion” (Spi­vak)

Spi­vaks Auf­satz gibt’s online unter: http://www.mcgill.ca/files/crclaw-discourse/Can_the_subaltern_speak.pdf

Wer gerne eine unse­rer Jute­ta­schen erwer­ben möchte, kann sich per E-Mail oder face­book an uns wen­den. Nur so lange der Vor­rat reicht…

Caro­lin Lie­bisch, August 2013