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Chris­tian Kracht: Imperium

Koloniale Abenteuer in der Südsee

Chris­tian Krachts neuer Roman ‚Impe­rium‘ hat bereits für einige Auf­re­gung in den Feuille­tons gesorgt. Der Rassismus-Vorwurf im Spie­gel hat die Rezep­tion des Romans aller­dings beflü­gelt und ver­rät eini­ges über den Lite­ra­tur­be­trieb. Aber auch über die Kon­junk­tur, die kolo­ni­al­ge­schicht­li­che The­men der­zeit haben.

Die Geschichte des August Engel­hardts, der der wil­hel­mi­ni­schen Gesell­schaft ent­flieht um auf der Insel Kaba­kon der Kokos­nuss zu hul­di­gen, beruht zum Teil auf his­to­ri­schen Fak­ten, die Kracht hier fan­tas­tisch wei­ter­spinnt. 1902 lies sich Engel­hardt tat­säch­lich auf einer Süd­see­in­sel nie­der, grün­dete einen Son­nen­or­den und ver­starb 1917 auf eben jener Insel. Anders im Roman: Hier wird die Geschichte bis über den Zwei­ten Welt­krieg hin­aus erzählt und damit die deut­sche Kolo­ni­al­zeit mit wei­te­ren Zäsu­ren des 20. Jahr­hun­derts verbunden.

Wie bereits in sei­nen vor­he­ri­gen Roma­nen bricht Kracht Tabus, indem er sich einer ver­meint­lich poli­tisch kor­rek­ten Dar­stel­lung wider­setzt. Statt des­sen bedient er sich unter­schied­lichs­ten Topoi und Quel­len (Nietz­sche, Mel­ville und Tin-Tin-Comics grei­fen hier ohne Pro­blem inein­an­der) und mon­tiert sie zu inver­tier­ten Dar­stel­lungs– und Erzähl­for­men. Damit wird die deut­sche Kolo­ni­al­ge­schichte zur über­spann­ten Gro­teske. Das mag sich auf den ers­ten Sei­ten zunächst unge­wöhn­lich lesen und viel­leicht auch irri­tie­ren. Lässt man sich aber auf das lite­ra­ri­sche Spiel ein, wird die Insel Kaba­kon zum Schau­platz eines absur­den Kolo­nia­lis­mus, der in Krachts Erzäh­lung sein sprach­li­ches Äqui­va­lent fin­det. Die ste­tige Pro­vo­ka­tion ist dabei durch­aus ein Reiz des Romans, dem es gelingt die ver­schie­de­nen Facet­ten des Kolo­nia­lis­mus zu beleuch­ten. Ob diese Art der lite­ra­ri­schen Ver­ar­bei­tung Anklang fin­det, hängt letzt­lich sicher­lich von per­sön­li­chen Lese­vor­lie­ben ab.

Chris­tian Kracht, Impe­rium, KiWi, 2012

Caro­lin Lie­bisch, 2012