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Euro­päi­sche All­machts­fan­ta­sien im Jugend­buch: In 80 Tagen um die Welt

Das Haupt­mo­tiv des berühm­ten Jugend­ro­mans von Jule Verne ist der Glaube an den tech­ni­schen Fort­schritt. Die­ser Fort­schritt geht dabei natür­lich von Europa aus und wird immer wie­der mit der kolo­nia­len Expan­sion in Ver­bin­dung gebracht.

Das Buch ist durch­zo­gen von kul­tu­rel­len Kli­schees, die dazu dien­ten, die kolo­niale Beherr­schung ande­rer Men­schen zu recht­fer­ti­gen. So wer­den die Prot­ago­nis­ten zu Augen­zeu­gen einer Wit­wen­ver­bren­nung in Indien, der Opi­um­sucht in China und eines India­ner­über­falls in den USA. Verne macht die gesamte Welt zur Kulisse einer Wette von Mit­glie­dern des Lon­do­ner Reform­clubs. Inhalt die­ser Wette ist, dass das Mit­glied Phi­leas Fogg behaup­tet, die Erde in 80 Tagen umrun­den zu kön­nen. Die Bewoh­ne­rIn­nen der ver­schie­de­nen Län­der neh­men dabei ledig­lich die Rolle von Sta­tis­ten ein, die sich dem Wil­len des rei­sen­den Eng­län­ders beu­gen müs­sen und nicht sel­ten mit Gewalt dazu gebracht wer­den, ihren Wider­stand gegen des­sen Fort­kom­men aufzugeben.

Jules Verne: In 80 Tagen um die Welt

Jan Die­bold, 2011