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Film­vor­füh­rung: „The Edu­ca­tion of Auma Obama“ (23.03.2012)

Filmvorführung „The Education of Auma Obama“ (23.03.2012)

Eine Iden­ti­täts­spu­ren­su­che zwi­schen Kenia, Hei­del­berg und wei­ßem Haus

Pas­send zum Jah­res­thema „Iden­ti­tä­ten“ lud schwarz­weiss gemein­sam mit der Alumni-Initiative der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg am Frei­tag, den 23. März in das fast aus­ver­kaufte Karls­tor­kino, um sich dort auf die Spu­ren der Grenz­gän­ge­rin und älte­ren Schwes­ter des US-Präsidenten, Auma Obama, zu begeben.

Auf­ge­wach­sen im gerade „unab­hän­gig“ gewor­de­nen Kenia, wo sie von ihrer ame­ri­ka­ni­schen Stief­mut­ter und ihrer kenia­ni­schen Groß­mut­ter groß­ge­zo­gen wurde, zum Stu­dium nach Hei­del­berg gezo­gen, mit ihrem spä­te­ren Ehe­mann in Groß­bri­tan­nien gelebt und schließ­lich zurück­ge­kehrt nach Kenia – Auma Oba­mas Leben stellt eine wahr­haft glo­bale Bio­gra­phie dar.

Auma Obama FilmplakatVor dem Hin­ter­grund der US-Präsidentschaftswahlen 2008 por­trai­tiert die Regis­seu­rin Bran­wen Okpako das bewegte Leben Oba­mas und wirft Schlag­lich­ter auf ein­zelne ihrer Lebens­ab­schnitte und die Men­schen, die sie darin geprägt und beglei­tet haben. Dabei rückt der Film die Frage nach Iden­ti­tät in einem Gren­zen über­schrei­ten­den Leben in den Mit­tel­punkt. Die Bezie­hung zu ihrem welt­be­kann­ten Halb­bru­der, den sie erst als Erwach­sene zum ers­ten Mal traf, stellt dabei nur eine Begeg­nung von vie­len dar, die Auma Oba­mas per­sön­li­che und poli­ti­sche Ent­wick­lung beein­flusst haben.

Prä­gend war vor allem ihre Zeit in Hei­del­berg. Hier beschäf­tigte sie sich inten­siv mit ihren afri­ka­ni­schen Wur­zeln und ent­schied, ihren eng­li­schen Vor­na­men „Rita“ abzu­le­gen und statt­des­sen ihren Geburts­na­men „Auma“ zu tra­gen. Ihr Stu­dium der inter­kul­tu­rel­len Ger­ma­nis­tik und Sozio­lo­gie, ihre künst­le­ri­sche Tätig­keit im Rah­men einer kul­tur– und stil­über­grei­fen­den Tanz­gruppe sowie ihre All­tags­er­fah­rung als eine von weni­gen afri­ka­ni­schen Stu­den­tin­nen, die in den 1980er Jah­ren an der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg ein­ge­schrie­ben waren, beein­fluss­ten nicht nur ihr Selbst­bild son­dern auch ihr poli­ti­sches Welt­bild. Als Jour­na­lis­tin und Gast in Talk­shows beschäf­tigte sie sich mit Afrika und des­sen Bild in Deutsch­land und ver­suchte die Öffent­lich­keit auf pro­ble­ma­ti­sche Wahr­neh­mungs– und Hand­lungs­mus­ter auf­merk­sam zu machen. Ent­wick­lungs­hilfe sei Schwei­ge­geld, lenke von in der Welt­wirt­schaft beste­hen­den Ungleich­hei­ten ab und stehe einem eben­bür­ti­gen Dia­log im Wege, lau­tete eine ihrer Botschaften.

Der Film, der neben Fra­gen zu „Identiät(en)“, femi­nis­ti­sche, post­ko­lo­niale und ent­wick­lungs­po­li­ti­sche The­men­be­züge auf­weist, bot span­nende Anknüp­fungs­punkte für das im Anschluss an die Vor­füh­rung statt­fin­dende Publi­kums­ge­spräch. Jai Gon­za­les, Lei­te­rin des Unterwegs-Theaters Hei­del­berg, war zur Dis­kus­sion ein­ge­la­den und belebte die gezeigte Bio­gra­phie mit ihrer Per­spek­tive als Freun­din und Mit­be­woh­ne­rin Oba­mas wäh­rend ihrer gemein­sa­men Zeit in Hei­del­berg. An Fra­gen der Zuschaue­rIn­nen man­gelte es nicht. Wie es zu erklä­ren sei, dass Auma Obama trotz ihrer Skep­sis gegen­über Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit heute für die Hilf­or­ga­ni­sa­tion „Care“ arbeite, lau­tete eine davon. Auma Obama habe das Bedürf­nis gespürt, so Jai Gon­za­les, vor Ort in Kenia zu arbei­ten und sich sozial zu enga­gie­ren. Dies jedoch stets mit dem Ziel, Kin­der auf ihre eige­nen Stär­ken hin­zu­wei­sen und damit dem Fort­schrei­ben eines Opfer­dis­kur­ses entgegenzuwirken.

Caro­lin Lie­bisch, 2012