Das Organisationsteam

Foto­wett­be­werb und Aus­stel­lung: ¿fremd_bilder?

Fremdsein, sich fremd füh­len, befrem­dend, Ver­frem­dung. Im Sep­tem­ber 2013 schrieb schwarz­weiss zusam­men mit dem Aus­län­der– und Migra­ti­ons­rat (AMR) der Stadt Hei­del­berg den Foto­wett­be­werb ¿fremd_bilder? aus. Die Teilnehmer_innen wag­ten sich auf eine krea­tive Spu­ren­su­che in Hei­del­berg und an ande­ren Orten. Im Mit­tel­punkt stand die Frage, wie Fremd­bil­der das Leben und den All­tag in Hei­del­berg, das Stadt­bild und lokale Iden­ti­tä­ten beein­flus­sen. Was pas­siert mit den ver­meint­lich fes­ten Kate­go­rien „fremd“ und „eigen“, wenn man ein­mal genauer hin­sieht? Ein kri­ti­scher Blick auf das Gewohnte kann berei­chern, wie die über 50 Ein­sen­dun­gen bewei­sen. Die Foto­gra­fie­ren­den wähl­ten eine Viel­falt an The­men,  Per­spek­ti­ven und künst­le­ri­schen Umset­zungs­for­men. Tou­ris­mus, Cam­pus­le­ben, Migra­tion in Hei­del­berg und Ste­reo­type im Stra­ßen­bild waren ebenso Zugänge wie ganz per­sön­li­che Por­traits und Geschich­ten. Am Ende hatte eine fünf­köp­fige Jury aus Kunst, Stadt­po­li­tik und Wis­sen­schaft die schwie­rige Auf­gabe sich für drei Gewinn­er­fo­tos zu entscheiden.

Sara Ablett - fremd sind die anderen

Sara Ablett — fremd sind die anderen

Den drit­ten Platz belegte das Foto mit dem Titel „fremd sind die ande­ren“, auf­ge­nom­men­von Sara Ablett im „Wein­loch“ in der Hei­del­berg Alt­stadt. Das Foto, so die Jury, betrifft die Betrachter_innen direkt. Der Foto­gra­fin sei es gelun­gen, durch eine dichte Stim­mung im Foto  ein Gefühl von Unwohl­sein und Fremd­heit zu erzeu­gen. Nicht die auf dem Foto dar­ge­stellte Kell­ne­rin wirkt fremd, ihre Iden­ti­tät bleibt offen. Auch die Umge­bung, eine typi­sche Hei­del­ber­ger Knei­pen­szene scheint ver­traut. Fremd fühlt sich vor allem die Per­son, die das Bild anschaut.

Harmet Dawaan - daily market

Har­met Dawaan — daily market

 

Platz Zwei gewann Har­met Dawaan mit sei­nem Bild „daily mar­ket“. Farb­lich bil­det das Foto eine stim­mige Ein­heit, inhalt­lich erscheint es uns als Bruch: Auf der einen Seite ein übli­cher deut­scher Super­markt mit Bio­pro­duk­ten und Sor­ti­mentschil­dern in deut­scher Spra­che; auf der ande­ren Seite eine junge Frau, die durch ihre Klei­dung sowie der Trag­weise des Kor­bes an einen ande­ren kul­tu­rel­len Kon­text den­ken lässt. Das Foto, befand die Jury, bestärkt uns jedoch nicht in die­sem Gegen­satz­den­ken, son­dern for­dert uns durch ein Spiel mit einem Objekt her­aus: Die Frau trägt einen Super­markt­korb. Es han­delt sich aus­drück­lich nicht um die Kon­struk­tion einer tra­di­tio­nel­len Authen­ti­zi­tät, son­dern um eine moderne Insze­nie­rung. Erfolg­reich über­win­det der Foto­graf damit das Den­ken in kul­tu­rel­len Blö­cken und schafft eine trans­kul­tu­relle Szene.

Susanne Sommer - ohne Titel

Susanne Som­mer — ohne Titel

Susanne Som­mer vom Asyl­ar­beits­kreis Hei­del­berg e.V. errang den ers­ten Platz mit einem Foto, das die Jury auf­grund eines gelun­ge­nen Spiels mit Kli­schees über­zeugt hat. Die Son­nen­brille tra­gende, uni­for­mierte und salu­tie­rende Frau kann beim ers­ten Betrach­ten die Asso­zia­tion einer afri­ka­ni­schen Mili­tär­dik­ta­tur oder auch des US-Militärs her­vor­ru­fen. Es scheint in einem frem­den Kon­text auf­ge­nom­men zu sein. Die Details des Bil­des sowie sein Begleit­text bre­chen zugleich mit bei­den kli­schee­haf­ten Ver­bin­dun­gen: Das Emblem auf der Mütze zeigt kein Staats­wap­pen, son­dern ent­larvt die Klei­dung als Hei­del­ber­ger Feu­er­wehr­uni­form, die die Frau, eine Asylbewer­be­rin, im Rah­men eines Thea­ter­spiels trug. Das Foto über­zeugt durch Viel­schich­tig­keit, die mit einem Augen­zwin­kern daher­kommt. Es regt auf spie­le­ri­sche Weise ein Hin­ter­fra­gen der eige­nen gedank­li­chen Zuord­nun­gen sei­tens der Betrachter_innen an.

Die drei Sie­ger­fo­tos sowie alle wei­te­ren Bil­der wur­den den Dezem­ber über im Rah­men einer Aus­stel­lung in den brei­den­bach Stu­dios gezeigt. Aus­stel­lungs­auf­takt bil­dete eine Ver­nis­sage, auf der schwarz­weiss gemein­sam mit über 50  Besucher_innen fei­erte und die Fotos wür­digte. Das Duo Paper­moon beglei­tete den Abend swin­gend musi­ka­lisch. Spä­ter am Abend füllte sich die Tanz­flä­che dank DJ Deine Bande und einer bun­ten Mischung Tanzbarem.

Ein ganz gro­ßes Dan­ke­schön für eine tolle Ver­an­stal­tung allen Besucher_innen, den Fotograf_innen, unse­rer Jury, sowie den Spon­so­ren und Koope­ra­ti­ons­part­nern, allen voran dem brei­den­bach Team und dem AMR!

Wei­tere Infos zu Jury, Gewinn­er­bil­dern und den ande­ren Ein­sen­dun­gen gibt es in unse­rer Aus­stel­lungs­bro­schüre zum Download.

Caro­lin Lie­bisch, Januar 2014