ManuEla Ritz, lady*fest Heidelberg

I COME TO YOU AS BLACK, LES­BIAN, MOTHER, WAR­RIORPOET

 

Audre Lorde – The Ber­lin Years 1984 to 1992

Film und Dis­kus­sion mit ManuEla Ritz

Sams­tag, 15. Juni 2013, 17 Uhr

brei­den­bach stu­dios, Heidelberg

 

Unter dem Motto ‚Ten­der to All Gen­der‘ fand vom 12. bis 16. Juni 2013 erst­mals in Hei­del­berg das lady*fest_hd statt. Mit Vor­trä­gen, Dis­kus­si­ons­run­den, Work­shops, krea­ti­ven Aktio­nen, Thea­ter und Kon­zer­ten schuf das lady*fest einen Raum für alter­na­tive Gen­der­per­spek­ti­ven und –aktionen.

Als Bei­trag zur Inter­sek­tio­na­li­tät von gen­der und race zeigte schwarz­weiss am Sams­tag, 15. Juni 2013, den Film „Audre Lorde – The Ber­lin Years 1984 to 1992“ (Dag­mar Schultz, 2012). Weit über 50 dis­kus­si­ons­freu­dige Besucher_Innen teil­ten unser Inter­esse an die­sem Doku­men­tar­film, der auf der Ber­li­nale 2012 seine Pre­miere feierte.

 

Lady*fest Heidelberg

 

Der Film por­trä­tiert die afro­ame­ri­ka­ni­sche Dich­te­rin und Akti­vis­tin Audre Lorde wäh­rend ihrer Jahre in Ber­lin. Lorde selbst bezeich­nete sich als „black, les­bian, mother, war­rior, poet“ – und umriss damit direkt ihre poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Agenda. Der Film kon­zen­triert sich vor allem auf Lor­des Bedeu­tung für die Afro­deut­sche Bewe­gung, an deren Ent­ste­hung sie als Ide­en­ge­be­rin und Vor­bild ent­schei­dend betei­ligt war. Zen­trale Werke Afro­deut­scher Lite­ra­tur wie „Farbe Beken­nen. Afro-deutsche Frauen auf den Spu­ren ihrer Geschichte“ oder die Grün­dung der ISD (Initia­tive Schwar­zer Deut­scher) sind ohne Lorde kaum denk­bar, denn sie ermu­tigte zahl­rei­che afro­deut­sche Frauen, ihre Lebens­ge­schich­ten auf­zu­schrei­ben und sich als poli­ti­sche Akti­vis­tin­nen Gehör in der bun­des­deut­schen Gesell­schaft zu ver­schaf­fen. Der Film zeigt auch, wie Lorde die hege­mo­niale Posi­tion der Ange­hö­ri­gen der Mehr­heits­ge­sell­schaft in Frage stellte und gleich­zei­tig einen Dia­log zwi­schen Wei­ßen und Schwar­zen Frau­en­rechts­be­we­gun­gen ermöglichte.

Gerahmt wurde der Film durch Lesun­gen der Auto­rin und Anti-Rassismus-Trainerin ManuEla Ritz, deren auto­bio­gra­fi­scher Roman „Die Farbe mei­ner Haut“ eben­falls durch Audre Lorde geprägt wurde. Mit Aus­zü­gen aus zen­tra­len Wer­ken Audre Lor­des stimmte ManuEla Ritz auf Film und Dis­kus­sion ein. Hierzu gehör­ten Aus­züge aus „Zami. Eine neue Schreib­weise mei­nes Namens. Eine Mytho­bio­gra­fie“, der Lyrik­band „Die Quel­len unse­rer Macht“ und „Auf Leben und Tod. Krebs­ta­ge­buch“. Letzt­ge­nann­tes ver­sam­melt Lor­des Essays und Arti­kel, die sie im Zuge ihrer Brust­krebs­er­kran­kung verfasste.

Im anre­gen­den Gespräch mit ManuEla Ritz wurde nicht nur Audre Lor­des Vita the­ma­ti­siert, son­dern auch die Afro­deut­sche Bewe­gung und ihre Geschichte, Ras­sis­men vor und nach dem Mau­er­fall sowie das Zusam­men­spiel von Kunst und poli­ti­schem Engagement.

 

lady*fest, MauEla Ritz

 

Chris­tiane Bür­ger, Juni 2013