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Jah­res­thema 2011: Grenzen

Liebe Freund_innen von schwarzweiss,

um unsere Akti­vi­tä­ten im Jahr 2011 noch struk­tu­rier­ter gestal­ten zu kön­nen, haben wir uns ent­schlos­sen ein Jah­res­thema zu wäh­len. Aus his­to­ri­schen und aktu­el­len Anläs­sen wer­den unsere kom­men­den Ver­an­stal­tun­gen einen Bezug zum Phä­no­men „Grenze“ und des­sen Fol­gen haben. Auch unser schwarzweiss-Lexikon und unsere Arti­kel wer­den unter die­sem Gesichts­punkt ste­hen. Der Begriff Grenze steht abs­trakt für die Tren­nung zweier Räume. Dies setzt die klare Abgren­zung von zwei von ein­an­der zu unter­schei­den­den Enti­tä­ten vor­aus. Dabei erfor­dert die Abgren­zung jeweils eine gewisse Kon­for­mi­tät, Har­mo­nie und Gleich­heit nach innen, wodurch das „Äußere“ erst als anders und fremd erscheint. Die Idee der Grenze baut nach innen einen Druck zur Anpas­sung auf und ermög­licht es zudem den­je­ni­gen, die die Deu­tungs­ho­heit über den Grenz­ver­lauf haben, zu bestim­men, wer zur Gruppe gehört und wer aus­ge­schlos­sen wird. Bei poli­tisch defi­nier­ten Grup­pen und Räu­men wie Natio­nen und Staa­ten wer­den nach die­sem Prin­zip der Zuge­hö­rig­keit Rechte und Res­sour­cen ver­teilt oder aber verwehrt.

Gren­zen ver­lau­fen nicht nur zwi­schen Staa­ten, son­dern auch zwi­schen „Kul­tu­ren“ und inner­halb von Gesell­schaf­ten. Des­we­gen ver­su­chen wir in unse­ren Akti­vi­tä­ten 2011, mög­lichst viele der Pro­bleme und Brü­che, die dar­aus ent­ste­hen, aufzugreifen.

Diese Gren­zen bestim­men aber auch unser Den­ken, was die Kon­struk­tion von Ste­reo­ty­pen und Kli­schees ermög­licht und somit zur Kate­go­ri­sie­rung von Men­schen­grup­pen beiträgt.
Die Tren­nung durch „Haut­farben“ zeigt bei­spiels­weise sehr deut­lich auf, wie will­kür­lich Gren­zen in ihrer Ent­ste­hung und wie dis­kri­mi­nie­rend in ihren Fol­gen sein kön­nen. Im Juni wird zu die­sem Thema der Lud­wigs­ha­fe­ner Video­künst­ler Sy Vin­cent Schmitz im Kul­tur­fens­ter in Hei­del­berg spre­chen und eine Aus­wahl sei­ner Arbei­ten zei­gen. Beglei­tend wer­den wir den Begriff „Haut­far­ben“ in unser Lexi­kon aufnehmen.

Genau so tren­nen Grenz­ver­läufe Men­schen auch inner­halb einer Gesell­schaft. Die anhal­tende Debatte um Migran­tIn­nen und Unter­schich­ten ist das jüngste Bei­spiel hier­für. „schwarz­weiss“ bemüht sich der­zeit um einen Refe­ren­ten, wel­cher zur Rezep­tion der von Sar­ra­zin los­ge­tre­te­nen Debatte in der „Neuen Rech­ten“ forscht. Beglei­tend wer­den wir den Begriff „Migra­tion“ in unser Lexi­kon auf­neh­men.
Nicht zuletzt geht eine große Wir­kungs­macht von ter­ri­to­ria­len Gren­zen aus. Die will­kür­li­che Grenz­zie­hung der Kolo­ni­al­zeit prägt bis heute die „unab­hän­gi­gen“ afri­ka­ni­schen Staa­ten. Wir freuen uns sehr, dass Ver­tre­te­rin­nen vom Ber­li­ner Ver­ein „Afri­cA­ve­nir Inter­na­tio­nal“ unsere Ein­la­dung ange­nom­men haben und in einer sze­ni­schen Lesung ihre aktu­elle Publi­ka­tion „50 Jahre afri­ka­ni­sche (Un-)abhängigkeiten. Eine (selbst-)kritische Bilanz“ vor­stel­len wer­den. Beglei­tend dazu wird über die Fol­gen die­ser Grenz­zie­hun­gen an den Bei­spie­len West­sa­hara und den Ewe in Togo und Ghana schreiben.

Die hier ange­füg­ten Bei­spiele ver­deut­li­chen, auf wel­che ver­schie­de­nen Wei­sen Gren­zen unse­ren All­tag durch­zie­hen und prägen.
Wir freuen uns, gemein­sam mit Euch im Rah­men der Ver­an­stal­tun­gen und in den Dis­kus­sio­nen wei­tere Gren­zen zu ent­de­cken und diese zu überwinden.