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Unab­hän­gig­keit in Peru: Ein pro­ble­ma­ti­sches Geschenk

Es ist pro­ble­ma­tisch, über die Unab­hän­gig­keitspro­zesse der ver­schie­de­nen Län­der Latein­ame­ri­kas als ein­heit­li­che Ent­wick­lung zu spre­chen. Im Grunde genom­men gab es wenige tat­säch­lich genuine Unab­hän­gig­keits­be­we­gun­gen, wie z. B. die von Tupac Amaru II. ange­führte, die aber schnel­ler als Feuer gelöscht wurde.

Die am 28. Juli 1821 gefei­erte Unab­hän­gig­keit Perus war ein lan­ger und nicht unpro­ble­ma­ti­scher Pro­zess, an dem unter­schied­li­che Mächte und Inter­es­sen betei­ligt waren. Nicht die Perua­ner allein erstrit­ten die Unab­hän­gig­keit, son­dern genau­ge­nom­men die süd­li­che Expe­di­tion von José de San Mar­tín und die nörd­li­che, die von Simón Boli­var ange­führt wurde. Der eine hatte den napo­leo­ni­schen Libe­ra­lis­mus in Europa ken­nen­ge­lernt, der andere war in der spa­ni­schen Armee aus­ge­bil­det wor­den. Es waren also eigent­lich euro­päi­sche Werte, die da nach Latein­ame­rika impor­tiert wur­den. Mit den Wor­ten Der­ri­das: magie blanche.

Wer sollte also die Unab­hän­gig­keit fei­ern? Sie wurde den Indi­ge­nen durch die Criollo-Bevölkerung auf­er­legt, die neue Unab­hän­gig­keit änderte für sie aber nichts. Beide Grup­pen ent­wi­ckel­ten sich unab­hän­gig von­ein­an­der und blie­ben lange Zeit ein­an­der fremd. Damals ent­wi­ckel­ten sich zwei Posi­tio­nen, eine nach dem spa­ni­schen Modell desi­gnier­ter Könige für Peru, die andere mit dem Modell eines neuen· Inka. Dar­aus ent­stand der Inter­es­sen­kon­flikt zwi­schen der nach euro­päi­schen Wer­ten skiz­zier­ten Haupt­stadt Lima und den noch nach tra­di­tio­nel­len Sit­ten wider­stän­di­gen Pro­vin­zen. Diese Ten­den­zen sind noch immer in der Innen­po­li­tik des Lan­des sicht­bar. Rhe­to­risch gefragt: Was wäre pas­siert, wenn die Expe­di­tio­nen von Boli­var und San Mar­tín nicht erfolg­reich gewe­sen wären? Obwohl diese Frage hoch spe­ku­la­tiv ist, kann sie doch dazu die­nen, die noch heute aktu­el­len Pro­bleme des Lan­des zu beleuch­ten, deren Ursprung in dem pro­ble­ma­ti­schen „Geschenk“ der Unab­hän­gig­keit liegt.

Car­los Arnulfo Rojas Sala­zar, Lehr­be­auf­trag­ter und Dok­to­rand
an der Uni­ver­si­tät Sala­manca, Januar 2011